Donnerstag, 11. Dezember 2014

Neben der Zeit... die Rauhnächte.

Das ganze Jahr über mache ich mir Gedanken über Erziehung, gesellschaftliche Entwicklungen und wie sich unser Leben gestaltet. Vieles gefällt mir nicht, oft mache ich mir Sorgen - was für Erwachsene werden die Kinder von heute mal werden? Wohin entwickelt sich diese Gesellschaft weiter? Die Aussichten sind da eigentlich nicht so toll, es ist nur ein recht schmaler Schimmer der Hoffnung, der sich auftut. Da ist es wohltuend, sich auch mal auf ganz uralte Dinge zu besinnen.

Seit jeher schon faszinieren mich die Rauhnächte, die Nächte zwischen den Jahren. Ich weiß nicht mehr, wann ich das erste Mal von dieser alten Überlieferung gehört habe, doch ließ mich die faszinierende Idee der eiskalten, magischen, dunklen Nächte, an denen die Grenzen zwischen den Welten durchlässiger sein sollen, nie wieder wirklich los. Es ist eine Zeit besonders großer Energie, die man deutlich spüren kann. Überall in Europa findet man Brauchtum, das diese Zeit mit starken Energien verbindet.

In den letzten Jahren habe ich dann immer mehr versucht, diese magischen Nächte in besonderer Weise auf mich wirken zu lassen. Am ehesten funktionierte das, wenn ich allein draußen unterwegs war - oder wenn ich bewusst die Stille suchte. In diesem Zusammenhang wurde Spinnen zu einer meiner bevorzugten Handlungen in dieser Zeit. Schließlich ist auch das Spinnen eine besondere, in vielen Märchen und Sagen vorkommende Tätigkeit. Das Geräusch des sich drehenden Spinnrades kann einen auf Dauer regelrecht "runterfahren" - funktioniert übrigens auch bei unruhigen Kindern ;)

Die Rauhnächte beginnen mit der Wintersonnenwende (21./22. Dezember) und enden mit der Nacht auf den 6. Januar. Es gibt verschiedene Tradionen, was die Zahl der Rauhnächte innerhalb dieser Spanne betrifft. Für mich macht es am meisten Sinn, alle 12 Nächte als Rauhnächte zu begreifen, da dann jede für einen Monat des Jahres steht. Der Überlieferung nach entstanden die Rauhnächte, weil die Kelten Schalttage zwischen dem Mondphasen- und dem Sonnenjahr einfügten, um die Zahl der Tage auszugleichen - also sind diese Nächte eigentlich außerhalb der Zeit. Sie gelten deshalb als eine Phase, in der das Schicksal sozusagen neu ausgehandelt werden kann. Alte Strukturen werden aufgebrochen, Reinigung und Neuausrichtung, beten, kreativ sein, sich Klarheit verschaffen - all das steht nun an.

Die wichtigsten Rauhnächte

Die Wintersonnenwendnacht ist die längste Nacht des Jahres, mit ihr beginnen die Rauhnächte. Die zweite, besonders wichtige Nacht ist die Christnacht vom 24. auf den 25. Dezember. Die dritte ist die Silvesternacht und die vierte, besonders wichtige Rauhnacht ist die Epiphaniasnacht vom 5. auf den 6. Januar.

Was kannst du tun?

Um die Rauhnächte bewusst zu erleben, solltest du beispielsweise viel mehr aufschreiben als sonst und ein besonderes Tagebuch führen - wie war das Wetter? Was hast du gesehen, gehört, geträumt, gerochen, gewünscht? Wenn hast du getroffen? Wer hatte schriftlichen oder telefonischen Kontakt mit dir? Was hast du getan, was ist dir auf- oder eingefallen?

Sinnvoll ist es, sich auch ganz bewusst auf die Rauhnächte vorzubereiten - so solltest du Geliehenes zurück bringen, ausstehendes Geld zurückzahlen, Konflikte klären, das vergangene Jahr Revue passieren lassen, aufräumen, sauber machen und dafür sorgen, dass andere um dich herum weitestgehend ohne dich klar kommen, damit du Raum für dich hast.

Ich werde das mit dem Tagebuch dieses Jahr mal versuchen und berichten. Falls du auch Lust dazu hast: wunderbar :)

Als Informationsquelle haben mir gedient:

Luisa Francia: Zaubergarn. Frauenoffensive 1989
http://www.universityofhappiness.de/heiligen-rauh-naechte/

Kommentare:

  1. Danke für die Erinnerung :-) Eine Veränderung hat für mich schon stattgefunden: Zum 31.12. werde ich "Altes" beenden, was bedeutet, dass ich im Neuen Jahr Ausschau nach einer neuen Tätigkeit halte. Ideen habe ich einige und auch schon ein paar neue Dinge begonnen, aber letztlich muss das Puzzle noch zusammengesetzt werden. Die Zeit zwischen den Jahren dafür zu nutzen, ist eine gute Idee

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  2. Ich bin gespannt, was dabei heraus kommen wird! :)

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